Mehr Netto vom Brutto: Schulen brauchen mehr effektive Unterrichtszeit
Die neueste PISA-Studie dokumentiert einen erneuten Tiefpunkt der Bildung in Deutschland. Und während sich Politiker und Experten darin überschlagen, neue Förder- und Ausgleichprogramme, Tests und Angebote zu fordern, schauen die täglich handelnden Personen – Schüler, Lehrer und Eltern – verwundert zu und schütteln mit dem Kopf. Manchmal sind es die doch so offensichtlichen Dinge, die Kinder vom Lernen abhalten: Das klärende Gespräch zum Pausenvorfall, ein Schüler wird gesucht, ein Schul-Event geplant, technische Probleme gelöst oder die nächste Hausaufgabenüberprüfung pflichtgemäß angekündigt. Alles für sich genommen Kleinigkeiten, in Summe aber Zeitfresser, die wertvolle Unterrichtszeit verbrauchen. Dazu kommen Stundenausfälle durch zu wenig Personal und für einzelne Schüler werden hohe Fehlzeiten zum Problem. „Mehr Netto vom Brutto“ ist eine altbekannte FDP-Forderung, aber heute bezieht sie sich auf die Unterrichtszeit.
„Wir brauchen wieder effektiv mehr Unterrichtszeit in der zur Verfügung stehenden Schulzeit. Die Politik hat es sich selbst zur Aufgabe gemacht, die Schule in einen Service- und Reparaturbetrieb zu verwandeln. Alles, was in der Gesellschaft nicht läuft, soll die Schule ausgleichen“, sagt dazu FDP-Landesvorsitzender Stefan Thoma. Gleichzeitig spricht man Garantien aus, die dann die Leute vor Ort umsetzen sollen. Mit Personalmangel und klammen Kommunalkassen will man breite Betreuungszeiten garantieren, zusätzlich Mittagessen, Schulbuchausleihe und kulturelle Angebote. Wie wäre es denn stattdessen zunächst mal mit funktionierendem Unterricht im Normalbetrieb? Die PISA-Ergebnisse werden weiter sinken, wenn Schulen nicht endlich wieder zu ihren Kernaufgaben zurückkehren können.
Seit Jahrzehnten hat die Politik sich darin gegenseitig überboten, neue Angebote und Rechte für Schüler und Familien zu schaffen – vielfach ohne Rücksicht auf pädagogische, personelle und finanzielle Konsequenzen. Thoma dazu: „Die Schulen müssen erst einmal wieder ein Ort des Lernens statt des Ausgleichens und Betreuens werden. Man kann den Eindruck gewinnen, dass wir zwischenzeitlich vergessen haben, dass der Kern der Bildung zunächst einmal Wissensvermittlung ist.“ Deshalb fordert die FDP Rheinland-Pfalz eine deutliche Stärkung der schulischen Autonomie. Die Schule soll selbst entscheiden, was sie in guter Qualität und mit welchem Personal anbieten kann. Darüber hinaus muss sichergestellt sein, dass die Schüler über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen. Dafür braucht es eine frühe Kontrolle und verpflichtenden Sprachunterricht, damit auch wirklich alle Schüler eine echte Chance haben, am Unterricht erfolgreich teilnehmen zu können. „Wir müssen den Schulen und Lehrkräften mehr vertrauen. Die wissen schon sehr genau, wie gute Bildung funktioniert. Sie brauchen Freiräume, um gut arbeiten zu können. Da sollten wir uns als Politiker nicht immer wieder einmischen“, mahnt Thoma.