Niedrigwasser schädigt Wirtschaft und Umwelt – FDP fordert rasches Handeln
Der Rhein führt aktuell nur wenig Wasser. Der Schiffsverkehr auf dem Rhein ist bereits stark eingeschränkt und die Tierwelt muss in tieferes Wasser ausweichen. Doch viele Schiffe fahren erst gar nicht oder nur mit geringer Ladung, weil der Tiefgang nicht mehr gesichert werden kann. Das Problem dabei sind mehrere Flachstellen im Rhein, die für den reibungslosen Binnenschiffsverkehr vertieft werden müssten. Dazu gab es bereits vor Jahren ein Konzept zur „Abladeoptimierung Mittelrhein“ zwischen St. Goar und Mainz. Doch umgesetzt ist das bisher noch nicht. Auch die Bauern- und Winzerverbände in Rheinland-Pfalz warnen durch den Transportausfall vor der wirtschaftlichen Belastung der Betriebe. Marco Weber, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, verweist auf gestiegene Kosten für Treibstoff und Dünger sowie auf Ertragsrisiken durch Hitze und Wassermangel. Unter den Folgen des Niedrigwassers leidet die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Das Wasser ist sehr warm, für manche Arten zu warm. Das warme Wasser erhöht zudem die Gefahr einer Algenblüte, die die Wasserqualität für die verbliebenen Arten noch weiter gefährden kann.
„Wir werden das Problem nicht einfach so lösen können. Wir bräuchten zig LKW oder große Kapazitäten bei der Bahn, um den Binnenschiffsverkehr zu ersetzen. Realistisch ist das nicht. Die Straßen sind bereits voll und es fehlt an Berufskraftfahrern. Auch die Bahn ist an vielen Stellen in Rheinland-Pfalz an ihrer Kapazitätsgrenze beim Güterverkehr“, sagt FDP-Landesvorsitzender Stefan Thoma: „Kurzfristig werden wir nur den Binnenschiffen den Weg freimachen können. Mittelfristig braucht es technisch bessere Lösungen wie Schiffe mit weniger Tiefgang oder alternative Transportkapazitäten, die frühzeitig aktiviert werden können.“ Hilferufe nach dem Staat dürfen nicht die dauerhafte Lösung für absehbare Klima- und Wetterphänomene werden. Unternehmen müssen sich den veränderten Bedingungen anpassen. Dabei darf ihnen der Staat aber nicht unnötig im Weg stehen. Technische Innovation braucht Freiheiten und weniger Vorschriften. Und Unternehmen brauchen ein verlässliches Verkehrsnetz in allen Bereichen.
Es ist nicht das erste Mal und es wird auch nicht das letzte Mal sein, dass wir mit dem niedrigen Wasserstand im Rhein zurechtkommen müssen. „Die stetige Erwärmung der Atmosphäre sowie die übermäßig heißen und trockenen Sommer sind Zustände, die wir nicht so einfach abwenden können. Manche politischen Mitbewerber machen es sich einfach, indem sie einfach bezweifeln, was die langjährigen Temperaturmessungen eindeutig zeigen, oder sie vermitteln den Eindruck, wir könnten hier in Deutschland allein den Ausstoß von Treibhausgasen in weltweit relevantem Maße senken, sodass alles in wenigen Jahren zurückdrehbar ist“, stellt Thoma fest. Doch das entspricht nicht der Realität – nicht wissenschaftlich, nicht politisch und nicht im alltäglichen Erleben der Menschen. Daher braucht es realistische Lösungen. Während man bezüglich des Schiffsverkehrs auf technische Verbesserungen und die Umsetzung des schon lange geplanten Vorhabens zur Abladeoptimierung Mittelrhein setzen kann, braucht es für den Schutz der Natur Ausweichmöglichkeiten, Beschattung und Feuchtigkeitsreserven wie Moore und Auen. Diese können den Gesamtwasserhaushalt und das Grundwasser in solchen Zeiten stabilisieren, sodass darüber auch die Wasserstände der Flüsse unterstützt werden können. Die zunehmende Austrocknung des Bodens gefährdet nicht nur die Fließgewässer, sondern auch Wälder und Wiesen – somit dann auch Land- und Forstwirtschaft.