Sondierungen

Tagesschau-Interview: Wissing zu gescheiterter Sondierung "Ich habe physisch darunter gelitten"

Der rheinland-pfälzische FDP-Chef Volker Wissing übt nach den gescheiterten Sondierungsgesprächen scharfe Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie habe den Abbruch zu verantworten.

Im Interview mit der "Tagesschau" entgegnete Wissing insbesondere dem Vorwurf, dass die FDP den Ausstieg geplant und eine Koalition nicht ernsthaft angestrebt habe. "Wir haben ernsthaft und seriös verhandelt, wir haben auch frühzeitig darauf hingewiesen, dass wir das Verfahren für schwierig halten. Aber offensichtlich wollte man diesen Weg gehen", sagte Wissing in Berlin.

Es habe seitens der FDP keinerlei Strategien gegeben, die Verhandlungen gezielt platzen zu lassen: "Wir wollten einzig unsere Themen so umzusetzen, dass wir mit aufrechtem Gang wieder vor unsere Wählerinnen und Wähler treten können und sagen können, das haben wir mit ihrem Vertrauen gemacht."

Den Vorwurf der FDP, die Verhandlungen seien konzeptlos verlaufen, präzisierte Wissing mit den Worten: "Wer mich kennt, der weiß, dass ich ein gut organisierter Mensch bin, und ich habe geradezu physisch darunter gelitten, wie ich in den vergangenen Wochen Verhandlungstage erlebt habe."

Es sei bei ihm der Eindruck entstanden, dass keine Strategie vorhanden sei. "Wir haben uns verloren im Klein-Klein und Details besprochen, die in Sondierungen keinen Raum finden sollten." Die großen politischen Fragen seien, wenn sie angesprochen wurden, auf den kommenden Tag verschoben worden.

Die FDP habe sich in den Jahren der außerparlamentarischen Oppositionen mit großer Anstrengung neu aufgestellt. Diese Prozesse wolle man nicht aufs Spiel setzen, nur um ein Weiterso der großen Koalition mit anderen Partnern aufs Spiel setzen.

"Von uns schielt niemand auf Ämter, sondern ausschließlich auf Inhalte", sagte Wissing. Es sei offensichtlich davon ausgegangen worden, dass die FDP auf jeden Fall regieren wolle. "Ich fühlte mich in dieser Position in den ganzen vier Wochen nicht voll ernst genommen."

Die FDP habe zudem befürchtetet, dass eine Fortführung der bisherigen Politik - in neuer Konstellation mit Beteiligung der FDP - die rechten Ränder noch mehr gestärkt hätte, so Wissing.

FDP-Chef Christian Lindner hatte in der Nacht nach vier Verhandlungswochen das Aus für Jamaika erklärt. "Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren", begründete Lindner den Rückzug seiner Partei.